BlueRacerProject – Restauration eines 80er-Jahre Rennrads

 

Casati Stahlrahmen mit kompletter Shimano 600er Ausstattung

Das Rad im Ursprungszustand

Ich habe mir mal wieder etwas gekauft. Dieses mal etwas, was vollkommen frei von jeglicher Elektronik ist, aber trotzdem voll faszinierender Technik:

Ein altes Rennrad mit einem Casati Stahlrahmen und einer kompletten Shimano 600 Ausstattung, bis auf Steuersatz und Bremse, die irgendwann gegen 105er Komponenten ausgetauscht wurden.

Das Rad war ein absoluter Spontankauf. Mein Hollandrad nervte mich aufgrund seiner Langsamkeit und dann stand dieses wunderschöne, blaue Stück Fahrradgeschichte bei den eBay Kleinanzeigen. Da musste ich einfach zuschlagen.

Das erste Problem

Die erste Testfahrt lief, für ein Fahrrad aus den 80ern, sehr gut. Der Steuersatz, das Innenlager, die Naben und die Schaltung funktionierten einwandfrei, ohne knirschen oder knacken. Auch die Bremsen, hier wurden Shimano 105er Bremsen nachgerüstet, verrichteten ihren Dienst absolut zufriedenstellend.

Als ich dann aber den Sattel auf meine Größe einstellen wollte, wurde ich mit einem, wie sich herausstellen sollte, nicht allzu leicht zu lösenden Problem konfrontiert:
Alusattelstützen tendieren dazu, sich in einem Stahlrahmen äußerst fest zu setzen. Dank des Aluminiumoxids, was sich auf der Oberfläche der Sattelstütze bildet und einem Mangel an regelmäßiger Bewegung und Montagefett, hatte sich die Sattelstütze quasi mit dem Stahlrahmen verschweißt.

Das zerlegte Rennrad - mit abgesägter Sattelstütze

Der zerlegte Rahmen

Jegliche Gewalteinwirkung von außen, der Einsatz von einigen Sprühflaschen Caramba und WD40 blieben ohne jeglichen Erfolg.

Die Natronparty

Zum Glück habe ich ein paar promovierte Chemiker im Freundeskreis, die mir die genauen chemischen Vorgänge im Innern meines Stahlrahmens erklären konnten und auch direkt eine Lösung parat hatten, bzw. eher eine Lauge – um chemisch korrekt zu bleiben, Natronlauge nämlich.

Der Versuchsaufbau

Der Versuchsaufbau

Natronlauge hat die wundervolle Eigenschaft Stahl komplett zu ignorieren, dafür aber Aluminium unter ordentlicher Hitzeentwicklung und Freisetzung von Wasserstoff komplett zu  zersetzen.

Mit entsprechender Schutzkleidung und gut vorbereitet wurde also der Sattelstütze mit Natronlauge zu Leibe gerückt und die Stütze lies sich, unter immer noch beachtlicher Kraftaufwendung, entfernen.

Der Lack ist ab

Nachdem dann endlich die Sattelstütze nicht mehr Rahmen steckte, stand ich vor dem nächsten Problem: der Lack hatte sich an vielen Stellen ebenfalls verabschiedet. Die Hitzeentwicklung und Laugeneinwirkung waren einfach zu viel.

Der Lackschaden

Der Lackschaden

Also musste eine neue Lackierung her. Ich habe mich dann für eine Pulverbeschichtung in Enzianblau entschieden. Wer in der Nähe von Oldenburg einen Fahrradrahmen sandstrahlen und pulverbeschichten lassen will, dem kann ich die Firma Wollnitz & Pfützner empfehlen.

Nach etwa drei Wochen war der Rahmen wieder da und war wie neu.

Der Wiederaufbau

Der Wiederaufbau verlief dann erfreulicherweise ohne jegliche weitere negative Überraschung. Steuersatz, Innenlager, Bremsen und Schaltung waren relativ schnell montiert. Lediglich die Nabe des Hinterrades wollte noch einmal zerlegt und neu gefettet werden.

Aber das Ergebnis kann sich – wie ich ganz un-bescheiden finde – auf jeden Fall sehen lassen.

Das neue Rennrad

Es ist getan!

Nach viel Arbeit, Blut, Schweiß und Tränen ist das Rad ist wieder in einem perfekten Zustand und fährt sich einfach nur gut. Es hat sich gelohnt!

Jetzt werden Kilometer gefressen!